Wie kann ich Journalist werden?

Journalist, Reporter oder Pressefotograf sind für viele Traumberufe, die eine gewisse Freiheit verheissen, für normale Bürger verschlossene Türen öffnen und in der Welt herumführen. Schon die Eintrittkarte in einen dieser Berufe war noch nie wirklich einfach zu erhalten. Nur gern schreiben oder fotografieren genügt nicht. Meist werden mindestens Abitur, besser noch ein abgeschlossenes Hochschul- oder wenigstens Fachhochschulstudium erwartet, um wenigstens die Chance auf ein Vorstellungsgespräch zu erhalten. Volontariatsstellen sind selten und aktive Redaktionen können und wollen unter Zeit- und Erfolgsdruck keine entsprechende Ausbildung anbieten. Die Ausbildung an einer Journalistenschule kostet Geld und bereits bei der Bewerbung sind Kenntnisse und Fertigkeiten gefragt.

Für Quereinsteiger war der Beruf des Journalisten bislang kaum gangbar, aber dies ändert sich grundlegend, denn derzeit befindet sich die gesamte Medienlandschaft im Wandel und kaum etwas ist noch so, wie man es über lange Jahre gewohnt war. Zu den etablierten Medien wie Zeitung, Radio und TV sind nun unaufhaltsam auch die neuen Medien gestossen und bringen völlig neue Möglichkeiten mit sich. Sehr viele Printmedienverlage haben mit starken Umsatzrückgängen zu kämpfen und auch im TV ist der Kampf um vordere Plätze härter geworden. Einzig das Radio ist von den klassischen Medien ganz entgegen der bereits einige Jahre zurückliegenden musikalischen Prophezeiung „Video killed the radio star“ erstaunlich stabil geblieben, weil es als einziges völlig nebenbei konsumiert werden kann – sogar beim Autofahren. Extrem stark im kommen sind allerdings die neuen Medien – sprich Internet – und das in Rekordzeit.

Um die Rekordzeit einmal deutlich zu machen: Das Radio hat 38 Jahre gebraucht, um 50 Millionen Hörer erreichen zu können; das Fernsehen hat die 50 Mio Marke bereits nach nur 13 Jahren erreicht. Das Internet hat es allerdings in nur 3 Jahren geschafft. Weltweit existieren etwa 200 Millionen Blogs und allein die Social Media Plattform Facebook kam in nur 9 Monaten auf über 100 Millionen Nutzer, die es nicht mehr gewohnt sind, Informationen nur zu konsumieren, sondern zu grossen Teilen selbst interaktiv teilzunehmen.

In Zeiten boomender Blog- und Onlinemagazine, social media Communities und Contentportalen aller Art boomt nun auch eine neue Art des Journalismus und die lässt Quereinsteiger nicht nur zu, sondern besteht überwiegend aus Menschen ohne klassischen journalistischen Background.

Ein entscheidender Vorteil besteht darin, dass der Beruf des Journalisten weder anerkannter Ausbildungsberuf noch die Bezeichnung „Journalist“ rechtlich geschützt ist. Journalist ist, wer an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Medien beteiligt ist. Die alteingesessenen Journalistenverbände setzen hier zwar gern noch das Attribut „hauptberuflich“ hinzu, doch längst haben sich Verbände gebildet, in denen sich auch nebenberuflich journalistisch tätige Menschen organisieren. Blogger, Autoren und Betreiber Onlinemagazinen und Nachrichtenportalen haben sich längst eine eigene und ständig anwachsende Ecke des Journalismus erobert und stellen im Kreis der Medienschaffenden auch keine Minderheit mehr dar.

Wer schreiben will, schreiben kann und etwas mitzuteilen hat, dem bieten sich gerade heute Gelegenheiten wie nie zuvor, zu zeigen, dass man es kann, und zwar einem riesigen Publikum und nicht ausgebremst von Redakteuren und Ausbildern, die bereits hohe Anforderungen erfüllt sehen wollen, bevor sie auch nur in Erwägung ziehen, ein paar Zeilen eines Bewerbers zu lesen. Einige Blogs von Hobbyschreibern können bereits Zugriffszahlen verzeichnen, welche die Auflagenhöhe alteingesessener Zeitschriften weit übertreffen und wir befinden uns erst am Anfang dieser Entwicklung. Man kann wieder Pionier sein in der heutigen Medienlandschaft.

Wer schreiben will, kann dies tun und sollte auch die sich bietenden Möglichkeiten nutzen. Viele Blogs, Newsportale und Onlinemagazine zeigen sich gegenüber engagierten Hobbyautoren aufgeschlossen, die ohne hohe Vorgaben erfüllen zu müssen und ohne Gängelung völlig frei ihre ersten Erfahrungen in der Welt der Medienschaffenden sammeln möchten. Nur schreiben wollen, reicht jedoch noch lange nicht aus. Wichtig bei der Berichterstattung ist vor allem, das Thema auch selbst zu verstehen, über das man schreibt. Ein guter Artikel sollte sich auch auf eine gründliche und objektive Recherche stützen. Es ist also nicht damit getan, sich an den Computer zu setzen und einfach loszutippen.

Die Chancen für einen Quereinstieg in den Journalismus waren zwar noch nie so leicht, aber etwas aus dieser Chance machen muss jeder für sich allein.

© 10.2009 by Norbert Warnke für berlin-region.com

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