Hohe Fluktuation

Fluktuation entsteht immer dann, wenn Menschen weggehen. Die Frage ist also, warum gehen sie?

In ein Network-Geschäft steigt man ein, weil man sich den einen oder anderen Vorteil davon verspricht. Das könnte vergünstigter Einkauf, kleiner oder grösserer Nebenverdienst, hauptberufliche Ambitionen oder gar die Aussicht auf finanzielle Unabhängigkeit sein.

Wer nun feststellt, dass genau das, was man erhofft, nicht oder ungenügend eintrifft oder das Erreichen des Zieles unwahrscheinlich ist, verabschiedet sich von dem Geschäft. Gleiches geschieht, wenn man feststellt, dass andere wichtige Dinge nicht sind, wie erwartet. Das könnten die menschen sein, die man anfangs anders kennengelernt hatte, als sie sich schliesslich entpuppten; Versprechungen, die nicht eingehalten wurden; mangelnde Unterstützung; Mängel an Produkten u. v. m.

Fluktuation ist jedoch durchaus auch natürlich und gesund, denn wenn jeder dabeibliebe und jeder sich mehrfach duplizieren würde, von den neuen Partnern auch alle dabei blieben, würde die Bevölkerung schnell zu klein werden. Gesunde Fluktuation hat jedoch ihre Grenzen.

Ungesund ist Fluktuation, wenn ein grosser Teil der neuen Partner das Geschäft schnell wieder verlässt oder die Fluktuation vielleicht sogar die Grössenordnung der Einstiege erreicht. Gibt es bei einem Geschäft kein Wachstum, stehen die Chancen auf Erfolg schlecht, denn es zeigt, dass zu viele Partner mit diesem Geschäft keinen Erfolg haben. Natürlich kann man sich sagen „alles Versager, ich bin besser, ich schaff’s!“, aber bei einem Geschäft mit grosser Fluktuation schafft man’s im Grunde dann auf Kosten Anderer…

Besonders betroffen von hoher Fluktuation sehe ich die so genannten Selbstbestellernetzwerke, bei denen Verdienst nur möglich ist, wenn man mehrere weitere Teilnehmer ins System bringt. Zu Beginn wachsen solche Netzwerke meist sehr schnell, da die Werbung mit „hier muss man nix verkaufen“ sehr zugkräftig ist. Nach einer gewissen Zeit pendelt es sich jedoch ein und die Fluktuation steigt, da es den meisten Partnern eben nicht möglich ist, mehrere weitere Teilnehmer ins System zu bringen. In der Folge werden die Partner, die nichts verdienen, inaktiv oder steigen ganz aus, gefolgt von ihren Sponsoren, denen bei weggebrochener Struktur der Verdienst versiegt. Was bleibt, sind Geschäfte mit vielleicht noch nennenswerten Einstiegsquoten, denen jedoch Ausstiege in gleicher Grössenordnung gegenüberstehen. Die Gesamtumsätze dieser Unternehmen bleiben über längere Zeit nahezu stabil, können sich aber auch rückläufig entwickeln.

Warum spricht bei den betroffenen Networks niemand davon? Ist doch einfach: Wer würde bei jemand einsteigen, der offen ausspricht, dass die Chancen schlechter geworden sind…?

Fluktuation ist immer dort am geringsten, wo die Menschen genügend Vorteile vorfinden, die sie auch weiterhin nutzen möchten. Hier heisst es also informieren, prüfen und abwägen, ob bei einem ins Auge gefassten Geschäft eher die Vorteile oder die Nachteile überwiegen.

© 11.2007 by Norbert Warnke

[ad]