Der Begriff „Geopolitik“ dürfte mittlerweile nahezu jedem geläufig sein, doch was genau verbirgt sich dahinter? Geht es hier um Frieden und Freiheit? Geht es um Demokratie und „böse Diktaturen“? Oder geht es um deutlich banalere Interessen wie Macht, Kontrolle und hinter allem steckt nichts anderes als Wirtschaft und Profit? Hier müsste man sich zunächst einmal die einzelnen Konflikte näher anschauen, wie sie entstanden, was sie bedeuten und welche Ziele man hier wohl verfolgt. Dazu ist aber sehr wichtig, sich nicht auf die offiziellen Erklärungen der Medien zu verlassen, sondern etwas gründlicher hinzuschauen.
Was zuerst auffällt, dürfte der so genannte „Westen“ sein, ein nicht offiziell zu einer politischen oder juristisch miteinander verbundenes Gebilde, das dennoch eine Art Interessengemeinschaft bildet und seit vielen Jahrzehnten unter Führung der sich jährlich als „Führungsmacht“ präsentierenden USA steht. Dieser Westen ist zwar durch viele Verträge, Abkommen und Bündnisse durchaus miteinander verknüpft, bildet aber keine verbindlich festgelegte politische Einheit. Dennoch geht von den USA viel Druck aus, um die übrigen westlichen Staaten so zu beeinflussen, dass diese im Sinne und zum Vorteil der USA handeln. Von der Weltbevölkerung her leben derzeit etwa 12-15% aller Menschen in einem westlichen Staat, nur rund 3,5% in den USA. Also leben etwa 85-88% der Weltbevölkerung nicht in einem westlichen Staat.
Betrachten wir die wichtigsten internationalen Formate mit rein westlicher Beteiligung einmal näher
G7 – Die Gruppe der 7
Die so genannte G7 (Gruppe der 7), die in den Medien als Gruppe der weltweit führenden Wirtschaftsnationen verkauft wird, in Wahrheit allerdings ausschliesslich westliche Mitglieder hat, fällt im Umkehrschluss auf, dass kein einziges nicht-westliches Land dabei ist. Zählen wir die Bevölkerungen dieser 7 Länder zusammen, kommen wir auf insgesamt etwa 8,5% der Weltbevölkerung. Geht man nun nach den tatsächlichen grössten Volkswirtschaften aus, müssten auch Chine (Platz 2) und Indien (Platz 5) zu den führenden Wirtschaftsnationen gehören und nach den Top 10 auch Brasilien (Platz 8), also drei nicht-westliche Länder. Schauen wir uns die drei genannten Länder China, Indien und Brasilien an, fällt auf, dass diese in einem anderen Format prominent mit dabei sind, den BRICS Staaten, zu denen auch Russland gehört, das in anderen Aufstellungen auch zu den Top 10 der Wirtschaftsnationen zählt. Rechnet man nun den Wirtschaftsumfang der G7 mit dem der BRICS im Vergleich aus, hat der Wirtschaftsumfang der BRICS den der G7 längst überholt. Das Format der G7 zeigt also definitiv nicht die Liste der 7 weltweit führenden Wirtschaftsnationen, sondern nur die Liste der im Westen führenden Wirtschaftsnationen. Der Westen ist jedoch nicht die Welt, sondern nur bis zu 15% der Weltbevölkerung. Was aber ist diese G7 nun tatsächlich? Sähe man den Westen als eine Art Imperium, würde die G7 den wirtschaftlichen Arm dieses Konstrukts bilden und nichts anderes.
NATO – Nordatlantisches Verteidigungsbündnis
Mit der NATO verhält es sich relativ ähnlich wie mit der G7 Gruppe. Hier sind ausschliesslich Länder miteinander verbündet, die definitiv zum so genannten Westen gehören und das Bündnis vertritt im Wesentlichen westliche Interessen. Gegründet offiziell als Verteidigungsbündnis erfüllt es diese Aufgabe allerdings nicht ausschliesslich. Bedenkt man die gesamte Zeit des Bestehens der NATO, gab es bislang nur einen einzigen Bündnisfall, den die USA nach dem WTC Anschlag ausriefen und daraufhin Afghanistan angriffen. Nun hat allerdings Afghanistan zuvor kein einziges NATO-Mitgliedsland angegriffen, was diesen Krieg kaum als echten Verteidigungskrieg rechtfertigen könnte. Zwar könnte man sich darauf berufen, dass dort mutmassliche Drahtzieher des Anschlags Unterschlupf fanden, doch rechtfertigt dies keinen Angriffskrieg auf ein Land, das seinerseits keine militärische Aggression durchgeführt hat und erst recht keine über 20jährige Besatzungszeit. Aber auch andere militärische Beteiligungen der NATO waren, da nie ein NATO-Land angegriffen wurde, keine Verteidigungskriege, sondern waren es jeweils NATO-Armeen, die in Staaten eingriffen, die ihrerseits zuvor keine Aggression gegen ein NATO-Land durchgeführt hatten. Bisher hat die NATO also keinen einzigen Verteidigungskrieg geführt, war allerdings an vielen militärischen Konflikten mit millionen Opfern beteiligt. Wir haben es de fakto also nicht wirklich mit einem Verteidigungsbündnis zu tun, sondern (wenn man den Westen als eine Art Imperium sieht), als militärischen Arm dessen.
Verschiedene Interessengruppen
Kommen wir zunächst zum so genannten Westen. Juristisch gesehen, bildet der Westen keine feste Einheit, hat keine festgelegte und greifbare Führung und auch keine übergreifenden politischen Organe. So gesehen ist der Begriff „Imperium“ aus juristischer Sicht nicht richtig. Doch schaut man sich die bestehenden Hierarchien und untergeordnete Organisationen näher an, kann man durchaus auf mehr oder weniger versteckte Strukturen kommen, die viele Abläufe so koordinieren, dass miteinander vernetzte Strukturen erkennbar werden. Allerdings sieht die Interessenlage innerhalb des Westens mittlerweile nicht mehr einheitlich aus, so dass sich Interessen und Ansprüche von USA und EU durchaus unterschiedlich darstellen und auch innerhalb der EU verschiedene Richtungen einschlagen. Hinzu kommen zunehmend Interessen einzelner Länder oder Ländergruppen. Wir haben es also selbst innerhalb einer übergreifenden Interessengruppe zusätzlich mit verschiedenen und oft miteinander konkurrierenden Interessen zu tun. Über lange Zeit hat der Westen allerdings relativ einheitlich unter Führung der USA die Geschicke weiter Teile der Welt bestimmt (Unipolare Weltordnung).
Die Gruppe der BRICS (Anfangsmitglieder Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) hat sich als Gegengewicht wum international einheitlich und geballt auftretenden Westen gebildet. Hier geht man davon aus, dass nicht eine einzelne mächtige Gruppe wie der Westen unter Führung der USA die Geschicke aller Menschen bestimmen sollte, sondern dass die Welt auch weitere Machtzentren bilden müsse, um im Konkurrenzfall gemeinsam mit höherem Gewicht auftreten zu können und dadurch Verhandlungspositionen und Einfluss entsprechend verbessern kann. Hier entstand das Gegenkonzept der Multipolaren Weltordnung.
Der Vollständigkeit halber muss man allerdings auch weitere Interessengruppen erwähnen, wie die ASEAN, eine Gemeinschaft asiatischer Staaten, die an einem gemeinsamen Konzept arbeitet und intern auch eventuelle Konflikte regelt. Sehr wichtig ist auch die SOZ (Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit), die mittlerweile auch Staaten in Europa umfasst und als weltweit grösste Regionalorganisation zählt. Grösser als die SOZ ist nur die BRICS, die jedoch nicht nur regional wirkt, sondern bereits auf 4 Kontinenten aktiv ist. Schliesslich wären da noch die GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten), die frühere Sowjetrepubliken umfasst und für umfangreiche wirtschaftliche Koordination steht, die EAWU (Eurasische Wirtschaftsunion), ein wirtschaftlicher Zusammenschluss verschiedener ehemaliger Sowjetrepubliken mit Freihandels- und Zollunion und die OVKS, ein reines Verteidigungsbündnis für die Region der früheren Sowjetunion. Für Westeuropa wäre es die Europäische Union (EU), die auf eine auch politische und militärische Union der Mitgliederstaaten hinwirkt.
Alle Bündnisse, Organisationen, Formate und deren Mitgliedsländer haben Interessen, die über die jeweils eigenen Grenzen hinaus gehen und oft miteinander konkurrieren. Dies ist leider nicht immer friedlich möglich und wo nicht, muss es den Menschen allerorts auch irgendwie so verkauft werden, dass diese dem zustimmen, was ihre Regierungen tun. Allsu oft können die Regierungen hierbei nicht unbedingt mit der reinen und offenen Wahrheit arbeiten, sondern finden vielfach Ausflüchte, vorgeschobene Gründe oder sogar Alternativlosigkeit, weil alles massiv Geld und oft viele Leben kostet und unerwünschte Folgen haben kann, die man dann auch gern anderen Akteuren zuschiebt. So entstehen die aktuellen Erklärungen der derzeitigen Geopolitik, die man in jedem Fall hinterfragen sollte. Sehr oft verhält es sich mit den tatsächlichen Gegebenheiten völlig anders, als offiziell verkauft wird. Sehr wichtig zu wissen ist, dass es bei den Umsetzungen der Interessen der Politik niemals darum geht, Menschen, Gruppen oder Völkern selbstlos zu helfen und auch niemals um Frieden, Freiheit und Menschenrechte. Es geht immer um knallharte Interessen, in denen vor allem Macht, Kontrolle und über allem wirtschaftliche Vorteile und Profit stehen.
Geopolitik und Geografie
Wie der Begriff „Geopolitik“ schon sagt, spielt hier vor allem die Geografie eine tragende Rolle. Das heisst, man sollte, wenn man etwas über verschiedene Regionen liest oder hört, möglichst auch wissen, wo diese Regionen liegen, welche Nachbarn es dort gibt und welche Bodenschätze dort vorkommen, Handelswege und Routen berührt werden könnten. Wer diese Dinge einigermassen überblickt, kann leicht erkennen, wie gerade an bestimmten Stellen Konfliktgebiete erst entstehen können und diese haben nahezu immer nichts mit Freiheit, Menschenrechten und Demokratie zu tun. Gerade heute werden Bodenschätze immer wichtiger und damit auch die Routen, auf denen sie transportiert werden. Extrem wichtig sind auch globale Handelsrouten und Schiffahrtswege, denn hier wird extrem viel an der Bewegung von Gütern verdient, aber auch daran, wenn diese Bewegung ins Stocken gerät, Mangel entsteht und Preise entsprechend steigen. An allen jenen Stellen wird es immer Gruppen geben, die genau daran profitieren. Auch an Rüstung wird weltweit extrem viel verdient, also auch an Konflikten, ohne die es diesen Umfang an „erforderlicher“ Rüstung nicht gäbe. Man braucht also diese Rüstung, um zu verdienen und man nimmt dafür millionenfachen Tod und Elend in Kauf. In den Medien und der Politik muss man das alles natürlich anders verkaufen – so, dass die Menschen, die das alles finanzieren müssen, dem auch möglichst zustimmen.
Mögliche Aspekte für geopolitische Konflikte
Bodenschätze kommen nicht gezielt immer dort vor, wo viele Jahrtausende später Konfliktgebiete entstehen, sondern genau umgekehrt. Bodenschätze können Jahrtausende früher nämlich nicht wissen, dass genau dort Kriege entstehen, sondern Kriege entstehen um die Bodenschätze und um die Handelswege. So ist die Nahost-Region als Tor nach Afrika sowohl um mögliche neue Landrouten herum prädestiniert zu einer Konfliktzone, sondern auch durch die dort vorkommenden Bodenschätze, aber auch als mögliches Aufmarschgebiet, um Regionen weiter nördlich erobern zu können, in denen es noch sehr viel mehr Bodenschätze gibt. Auch der Kaukasus oder Zentralasien sind sowohl reich an Bodenschätzen, als auch günstig gelegen, um Handelswege (Nord-Süd Route von Russland zum Iran oder Neue Seidenstrasse von China nach Europa oder bis nach Afrika). Auch die Nördliche Seeroute nördlich von Sibirien zwischen Pazifik und Atlantik kann viel Zeit und Geld sparen, das den sehr viel längeren südlichen Routen (um Afrika herum oder über den Suezkanal) dann Einnahmen kosten würde. Jene, die an bestehenden und etablierten Routen Billionen verdienen, haben natürlich kein Interesse daran, dass ein spürbarer Teil der Güter über neue Routen transportiert werden, an denen man nicht mitverdienen kann. Auch die Ukraine hat nicht nur Bodenschätze zu bieten, sondern könnte zu einer Zwischenstation eines Landwegs quer durch Eurasien werden und allein schon als Transitland spürbar aufblühen. Doch man macht dieses Land zu einem für hohes Güteraufkommen unpassierbaren Grenzland, schliesst und zerstört dabei auch bereits vorhandene Pipelines. Aber auch im Iran geht es nicht um Atomwaffen, denn auf diese verzichtet der Iran ausdrücklich seit langem und aus religiösen Gründen, sondern um Bodenschätze und vor allem um Kontrolle der Strasse von Hormus, also um einen der weltweit wichtigsten Handelswege.
Es muss längst nicht alles aus dem vorangegangenen Absatz zu 100% real sein, doch wer sich die Fakten und die dazugehörende Lage der entsprechenden Regionen anschaut, kann schon an eine gewisse Übereinstimmung glauben, zumal einige Fakten durchaus dafür sprechen und auch die Geschichte vergangener Konflikte deutlich in diese Richtungen weist. Genau wissen kann man es wohl erst in Jahrhunderten, doch um womöglich kommende grosse Kriege zu verhindern, wird es dann wohl zu spät sein. Das müsste man tun, bevor diese entstehen…
