Immer wieder begegnen uns Begriffe wie Faschismus, ob nun in Anlehnung an die Vergangenheit oder den Vorwurf an aktuelle Kreise, faschistisch zu sein. Doch beinhalten all jene Erwähnungen so gut wie nie eine wirkliche Definition oder erklären, was Faschismus eigentlich ist. Doch um den Kontext der Erwähnungen wirklich nachvollziehen und tatsächlich zu verstehen, sollte man schon die Hintergründe kennen. Faschismus bedeutet, einen Bund zu formen zur ideologischen und gewaltsamen Bekämpfung anders denkender Mehrheiten zwecks Errichtung einer Herrschaft strikt und kompromisslos nach der eigenen Ideologie und gegen alle Widerstände. Alle, die nicht mitziehen, sind Feinde der Bewegung und sind entsprechend zu bekämpfen und ggf. zu vernichten. Faschismus ist auch nicht zwangsläufig eine Herrschaftsform, kann aber ein Bund mit dem Ziel der Erlangung der Herrschaft sein.

In Medien und Politik wird Faschismus nahezu immer ausschliesslich mit „rechts“ in Verbindung gebracht, doch in der Praxis bietet sich hier ein deutlich differenziertes Bild. Hier müssen wir uns allerdings an die Ursprünge zurück begeben.
Das Symbol des Fasci (Rutenbündel)
Die historischen Wurzeln liegen im Römischen Reich. Die Liktoren trugen diese Bündel als Symbol für die Strafgewalt der Beamten. In moderneren Auslegungen und denen anderer Kulturen steht das Bündel der Ruten für gemeinsame Widerstandsfähigkeit. Man will verdeutlichen, dass eine einzelne Rute leicht zu brechen ist, ein ganzes Bündel allerdings nicht und viele antike Kulturen nutzten eine Axt als Waffe in der Schlacht. So entsteht daraus auch der Begriff „Kampfbund“.
Mussolini und der italienische Faschismus
Benito Mussolini war tatsächlich ursprünglich ein radikaler Sozialist (ideologisch links) und Chefredakteur der Zeitung Avanti!. Er wurde 1914 aus der Sozialistischen Partei (PSI) ausgeschlossen, weil er den Kriegseintritt Italiens befürwortete, während die Partei eine pazifistische Linie verfolgte.
Der Begriff Fascio stammt tatsächlich aus Tradition linker Arbeiterbünde. Mussolini transformierte diesen Begriff jedoch. Das frühe Parteiprogramm enthielt zwar Forderungen wie das Frauenwahlrecht oder progressive Steuer, doch in der Realität ging Mussolini in den 1920er Jahren enge Allianzen mit Industrie, Kirche und Monarchie ein. Der Faschismus verstand sich als eine Art „Dritter Weg“ und dieser lehnte sowohl den liberalen Kapitalismus als auch den marxistischen Klassenkampf ab und ersetzte ihn durch Nationalismus.
Hitler und der Sozialismus
Immer wieder wird behauptet, die Nationalsozialisten seien in Wahrheit „links“ gewesen, weil der Begriff „Sozialismus“ schliesslich darauf hinweist, doch auch hier ist vieles nicht, wie es scheint.
Es ist historisch belegt, dass Teile der deutschen Grossindustrie (Krupp, IG Farben und andere) das NS-Regime massiv unterstützten und von der Zerschlagung der Gewerkschaften sowie von Rüstungsaufträgen profitierten. Hitler definierte den „Sozialismus“ allerdings völlig anders als marxistische Kommunisten. Für ihn bedeutete es Volksgemeinschaft auf rassistisch ethnischer Grundlage, nicht die Abschaffung des Privateigentums. Das Privateigentum blieb im NS bestehen, solange es dem Staat diente.
Allerdings gab es auch massive Konflikte zwischen Hitler und dem „linken Flügel“ der NSDAP und anderen Gruppierungen der Partei, wie z. B. der SA. Hier ging es um Machtkämpfe und alle tatsächlichen Abweichler wurden nach und nach kaltgestellt oder sogar ermordet. So wurden Gregor Strasser (Kopf des sozialrevolutionären Flügels der NSDAP) und Ernst Röhm (Chef der SA) bereits 1934 ermordet, wodurch sich die Macht Hitlers als Führer festigte. Was bleibt, ist ein Phänomen, das die Grenzen zwischen links und rechts verwischte, weil man sich Aussagen aus beiden Richtungen bediente.
Nationalsozialismus und Faschismus
Der Nationalsozialismus wird als rechtsextrem eingestuft, da seine Grundpfeiler (extremer Nationalismus, Antisemitismus, ethnischer Rassismus und Führerprinzip) dem Kern linker Ideologien (Gleichheit, Internationalismus, Überwindung von Hierarchien) diametral entgegenstehen. Wohl gemerkt reden wir hier vom Nationalsozialismus und nicht vom Faschismus, der an sich nicht einmal etwas mit links oder rechts zu tun hat, sondern einzig allein mit dem Prinzip des Anspruchs auf alleinige Wahrheit und deren gemeinsamer gewaltsamen Durchsetzung. Nationalsozialismus ist ein Kunstbegriff, der sowohl rechte als auch linke Prinzipien miteinander zu verbinden scheint und wäre eher eine spezielle Spielart des Faschismus.
Andere internationale Beispiele
Faschismus ist kein theoretisches Konstrukt, das exklusiv an ein bestimmtes Wirtschaftssystem gebunden ist. Schaut man sich die Sowjetunion unter Stalin oder China unter Mao an, kann man deutlich gewisse Parallelen erkennen. Obwohl sich diese Systeme „links“ und „sozialistisch“ nannten, agierten sie in der Praxis weitgehend wie faschistische Spielarten: Brutaler Führerkult, totale Militarisierung der Gesellschaft, aggressiver Staatsnationalismus und gnadenlose Vernichtung Andersdenkender.
Was ist eigentlich links?
Ursprünglich geht es in der linken Politik um Gleichheit, Internationalismus, Überwindung von Hierarchien. Der Begriff kommt aus der Zeit der französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) und der Sitzordnung des Parlaments und der später aufgekommene Begriff des Kommunismus aus der so genannten „Pariser Kommune“, einem Volksaufstand, der von der Regierung blutig niedergeschossen wurde. Auch die Ideologie der Anarchie kommt aus dem extremen linken Spektrum, der jede Form der Obrigkeit strikt ablehnt und diese sogar aktiv bekämpft.
Links hat nichts mit anti-national (antideutsch) zu tun, das wird nur von extremen angeblichen Linken so missverstanden, weil sie das Gegenteil dessen umsetzen wollen, was sie meinen, den so genannten Rechten zuschreiben zu müssen. Mit eigentlichen linken Grundsätzen hat das nichts zu tun.
So hat auch der wahre Internationalismus nichts mit der Auflösung aller Völker oder deren Zusammenführung zu tun, sondern steht für Völkerfreundschaft, Kooperation und regen Austausch zwischen intakten Völkern und Nationen, die allesamt wichtig, wertvoll und schützenswert sind. Kein Volk und keine Kultur ist besonders hoch-, oder minderwertig, gut oder schlecht, mehr oder weniger wichtig, wertvoll oder schützenswert.
Auch der Begriff Nation hat nichts mit Faschisten zu tun, wie schon das Ernst Thälmann-Zitat (Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands KPD und 1944 im KZ Buchenwald ermordet), der kein Faschist oder Nazi, aber glühender Patriot war, eindrucksvoll belegt. Im Gegenteil, Thälmann wurde von Faschisten und Nazis ermordet, schrieb aber noch kurz vorher auf, wie sehr er sein Volk und seine Nation (Deutschland) verehrte. Linker, als ein Vorsitzender einer kommunistischen Partei konnte man zu jener Zeit kaum sein.

Ernst Thälmann, Kommunist 1944
Eine Nation ist für sich ebenfalls nichts negatives, wird nur von angeblichen Linken fälschlich so verstanden, weil Faschisten den Begriff missbrauchen. Etwas missbrauchtes muss dadurch nicht schlecht sein. Schlecht können immer nur diejenigen sein, die etwas missbrauchen, nicht aber das, was sie missbrauchen. Die Nation ist nur die gemeinsame Kultur, Sprache und Geschichte, die immer sowohl positive als auch negative Aspekte beinhaltet, an denen sie sich weiterentwickeln kann und muss.
Wer ist anfällig für Faschismus und Totalitarismus?
Ideologen und Demagogen aller Art wenden sich immer zuerst an jene, die mit profitieren wollen, aber auch an die Zielgruppe der Beeindruckbaren, die man damit einfangen kann, indem man sie mit Bildern oder Inhalten beeindruckt. Wer also leicht zu beeindrucken ist, der ist auch anfällig für faschistische Ideologien. Dazu gehören auch die so genannten „Spiessbürger“, die alle gemein haben, nichts Besonderes zu sein, nur Mitläufer, aber gern etwas Besonderes wären oder wenigstens ein Teil von etwas Besonderem, um sich aus der Masse hervorzuheben, was man dann durch den so genannten „vorauseilenden Gehorsam“ auch tatkräftig umsetzt. So entsteht auch Denunziantentum und Missbrauch sowie Misstrauen bis tief in Freundschaften und Familien.
Fazit
Links und rechts sind im Grunde nichts als Instrumente der Spaltung, um eine Mehrheit, die gegen eine selbsternannte „Elite“ entstehen könnte, zu verhindern, indem man beide (oder mehr) „Richtungen“ gegeneinander ausspielt. Schaut man sich Diktaturen an, die von selbst ernannten linken Systemen aufgebaut wurden, kann man oft durchaus ebenso faschistische Spielarten und Handlungen deutlich erkennen wie bei sich religiös gebenden Regimen oder extrem kapitalistischen Obrigkeiten. Faschismus ist immer totalitär. Er ist die ultimative Steigerung des Machtanspruchs einer Gruppe, die sich selbst zur Elite erklärt hat. Wer Faschismus als explizit „rechtes Phänomen“ begreift, übersieht die Gefahr, dass genau die gleichen Mechanismen der Unterdrückung und des Terrors auch unter dem Deckmantel von Gleichheit, Religion oder angeblicher Moral entstehen können. Wer eine Gefahr ausschliesslich rechts vermutet, achtet nicht mehr darauf, wenn sie aus anderen Richtungen auftaucht. Faschist ist am Ende, wer faschistisch handelt.
In dem Moment, in dem vormals Linke und vormals Rechte Hand in Hand für gemeinsame Ziele stehen, verliert die herrschende „Elite“, denen es nicht um ideelle Werte und schon gar nicht um ihr Volk geht, sondern einzig um wirtschaftliche Vorteile und Dominanz einer Minderheit, das Fundament ihrer Macht, denn die zwischen links und rechts stehen, werden dann mitziehen und den „Eliten“ wird nichts mehr bleiben, als Befehle zu geben, auf die niemand mehr hören wird.
Haben wir nicht alle eine linke und eine rechte Hand und können wir nicht alle mit beiden zusammen am effektivsten arbeiten?
Hinweis: Illustrationen sind mit Hilfe von KI erstellt