Politik und Medien in Deutschland verkaufen besonders nach dem Besuch des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz in Indien das nun geschlossene Freihandelsabkommen als grossen Erfolg und auch die Europäische Union (EU) feiert den neuen Handelspakt mit Indien als Meilenstein, der gigantische Marktanteile am globalen BIP sichert. Doch hinter der Fassade des Erfolgs verbirgt sich eine besorgniserregende Realität: Für Europa und auch für Deutschland ist dieser Vertrag kein Zeichen der Stärke, sondern das Eingeständnis einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise. Die Schattenseite des Abkommens bedeutet im Klartext nichts anderes, als einen schleichenden Abschied vom Industriestandort Europa.

Bild: Illustration mit KI erstellt / Gemini
Man kann den Trend auch an einigen wichtigen Eckpunkten feststellen:
Zuerst einmal haben wir hier ein höchst ungleiches Kräftemessen, denn Während Indien mit einer dynamischen Demografie, staatlich geförderter Industrie und niedrigen Produktionskosten punktet, kämpft Europa mit hausgemachten Problemen.
Die kritischen Punkte im Überblick:
- Selbstverschuldeter Standortnachteil: Durch extrem hohe Energiekosten, bürokratische Hürden und eine ideologisch geprägte strikte Klimapolitik hat die EU ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit systematisch untergraben.
- Abhängigkeit statt Wachstum: Das Abkommen dient weniger dem Export europäischer Waren als vielmehr der Sicherung billiger Importe, um die schwindende Kaufkraft und die deindustrialisierte Basis zu überdecken.
- Wissenstransfer nach Osten: Anstatt den Standort zu stärken, fördert der Pakt die Abwanderung von Know-how und damit auch vielen qualifizierten Arbeitsplätzen in den asiatischen Raum.
Fazit: Der EU Raum wie vor allem auch Deutschland wird zum Konsument statt Produzent
Langfristig droht Europa zu einem reinen Absatzmarkt zu degradieren. Während die Politik mit abstrakten Handelszahlen glänzt, verliert vor allem der produzierende Mittelstand vor Ort den Boden unter den Füssen. Ein Freihandel, der auf so unterschiedlichen Voraussetzungen basiert, führt nicht zu einem fairen Austausch, sondern beschleunigt lediglich den wirtschaftlichen Abstieg des einstigen Industriemotors Europa. Der Wohlstand wird künftig dort generiert, wo produziert wird – und das wird zunehmend nicht mehr hier sein.
Andere Freihandelsabkommen
Sowohl das Freihandelsabkommen mit Indien wie auch andere ähnliche Abkommen werden bereits stark kritisiert. Das bekannteste Abkommen dürfte das mit der MERCOSUR darstellen, über das über zwanzig Jahre verhandelt wurde und das auch nach Unterschrift nicht zur Ruhe kommen will. Hier geht es vor allem um billige Importe aus Lateinamerika, die einheimischen europäischen Produzenten, vor allem von Nahrungsmitteln eine Konkurrenz entgegensetzen, welche die heimischen Absatzmärkte belastet, Produzenten in einen nicht gewinnbaren Preiskampf treibt und am Ende billig importierte Güter die Märkte überschwemmen lässt. Doch hier geht es auch um die Produktionsflächen selbst, die mit weiterer Abholzung von Regenwald und schweren Eingriffen in die Natur einher gehen.
Doch gibt es auch Unterschiede bei den Freihandelsabkommen. Während es im MERCOSUR Abkommen neben Rohstoffen und Bodenschätzen weitgehend auch um Nahrungsmittel geht, spielt im Fall von Indien eher der Bereich Industrie (Stahl, Maschinenbau), aber auch der Dienstleistungssektor eine Rolle. Die Wirkung ist jedoch durchaus in etwa vergleichbar, nur dass unterschiedliche Bereiche betroffen sind.
Auch hier gilt, dass die Produktionszahlen in Europa weiter rückläufig sein werden, während die Importe stark ansteigen. Für Importeure und Handelsketten wird sich dies sicher lohnen, doch gründen sich diese scheinbaren Erfolge dann nicht mehr auf einheimische und europäische Produktion, sondern zu immer höherem Anteil auf möglichst billige Importe. Das bedeutet wieder, dass insgesamt die Qualität der Waren weiter rückläufig sein wird und viele Arbeitsplätze in Europa verloren gehen werden.
Im Ergebnis haben wir mit dem Freihandelsabkommen mit Indien nun einen weiteren Baustein, der den ohnehin bereits laufenden Trend in Richtung wirtschaftlichen Abschwungs noch weiter verstärken wird. Aus dem von den politischen Eliten in Brüssel und Berlin nach aussen als Befreiungsschlag gefeierten Abkommen, könnte es sich allerdings als der Moment ergeben, in dem Europa seine industrielle Souveränität endgültig gegen kurzfristige Handelsvorteile eintauschte.