Seit Jahrzehnten geistert die Idee nun schon immer mal wieder durch diverse Medien und selbst Politiker erwähnen sie immer wieder, einen Tunnel oder eine Brücke zwischen Sibirien und den USA zu bauen. Zwar ist die Beringstrasse an der engsten Stelle nur rund 82 km breit und die Tiefe des Ozeans beträgt meist nur etwa 30 bis 50 Meter, so dass es technisch durchaus in den Bereich des Machbaren geraden könnte, doch wie bekommt man das viele benötigte Material dort hin? Aber selbst wenn man es dann doch schafft, tatsächlich einen Tunnel oder eine Brücke zu bauen, stünde man vor einer ganzen Reihe weiterer Probleme und Schwierigkeiten.
Die nächste grössere Stadt auf russischer Seite wäre Anadyr in 400 km Entfernung und auf US Seite gibt es zwar in 180 km Entfernung die Siedlung Nome, die nächste grössere Stadt wäre allerdings erst Anchorage
in 1.800 km Entfernung (etwa doppelte Strecke Berlin-Wien). Man müsste also, wenn man Anadyr und Anchorage über den Tunnel miteinander verbinden wollte, zusätzlich zum Tunnel über 2.000 km Autobahn bauen. Doch ist auch das längst nicht alles: Von Anadyr aus ist die nächste Grossstadt (Petropawlowsk-Kamtschatski) mit rund 180.000 Einwohnern rund 2.000 km Luftlinie entfernt. Es gibt auch keine Strassen- oder Eisenbahnanschlüsse, nur Flugzeug oder Schiffsverbindung.

Auf US Seite wäre es von Anchorage (Alaska) durch Kanada nach Portland oder Seattle (USA) fast 4.000 km Strasse. Man müsste also von Portland (wenn es Strassen gäbe) bis Petropawlowsk-Kamtschatski mehr
als 8.000 km fahren (weiter als von Berlin nach Peking) oder von Anchorage bis zur nächsten russischen Grossstadt Petropawlowsk-Kamtschatski rund 4.000 km (Entfernung München – Dubai). Von Petropawlowsk-
Kamtschatski bis Moskau wären es etwa 6.800 km und von Portland nach Washington d. c. etwa 4.500 km.
Würde es (theoretisch) überall Verbindungsstrassen geben, wäre man zwischen Washington und Moskau Wochen unterwegs (Strassenentfernungen/Eisenbahnstrecken sind sehr liel länger als die Luftlinie), auch
mit einer theoretischen Eisenbahnlinie. Der Tunnel war ja vor allem für eine Bahnstrecke angedacht und die zu bauen, wäre zwischen den Tunnelausgängen und der nächsten Stadt noch deutlich schwieriger
und teurer.
Die Transsibirische Eisenbahn zwischen Moskau und Wladiwostok ist knapp 9.300 km lang und man ist rund 7 Tage unterwegs. Von Wladiwostok bis Petropawlowsk-Kamtschatski wären es nochmal 2.200 km
(Luftlinie) und es gibt dort weder Strassen noch Eisenbahnverbindung.
Der Tunnel selbst wäre das alerkleinste Problem. Schwieriger ist, dass an beiden Enden NICHTS existiert als hunderte bis tausende Kilometer unerschlossene Wildnis ohne Strassen oder Eisenbahn. Das müsste
alles erst einmal gebaut werden und selbst dann stellt sich noch die Frage, ob es sich nach Abzug aller Kosten überhaupt rechnet.
In Russland gibt es keine Bahnstrecke, die bis zur Beringstrasse führt und in Alaska ebenfalls nicht. Die nächste wirklich grosse Stadt ist auf beiden Seiten weit mehr als 1.000 km entfernt. Von der Beringstrasse, wo
der Tunnel herauskommen würde bis zur nächsten Bahnstation in Wladiwostok sind es 4.000 km, also weiter als durch ganz Europa. Von Lissabon aus würde man nicht einmal mehr in Europa ankommen, sondern in
Zentralasien Aserbaidschan oder Iran. Von dem amerikanischen Ausgang des möglichen Tunnels wäre die nächste Bahnstation in Fairbanks/Alaska und auch über 1.000 km entfernt und das wäre jeweils
Luftlinie. Das heisst, wenn man nun tatsächlich Bahnlinien bauen würde, wären diese nicht in Luftlinie baubar, sondern könnten leicht die doppelte Strecke betragen.
Noch einmal zur Relation: Die Transsibirische Eisenbahn führt von Moskau nach Wladiwostok. Luftlinie wären das über 6.400 km, die Bahnstrecke jedoch ist rund 9.300 km lang, also etwa 30% länger als die Luftlinie. Man müsste also, wenn man Wladiwostok mit Anchorage miteinander verbinden möchte und über die Beringstrasse bauen müsste, müsste man einmal 4.000 km und einmal 1.000 km, also 5.000 km Luftlinie miteinander verbinden, also bei rund 30% mehr wären das rund 7.000 km Bahnstrecke zu bauen. Damit wäre die Topographie von Sibirien und Alaska noch nicht einmal berücksichtigt. Während die Transsibirische Eisenbahn über tausende Kilometer durch flache Ebenen und Steppen führt, ist die Strecke zwischen Wladiwostok und der Beringstrasse bergig und unregelmässig, was den Bau von Verkehrswegen noch einmal stark erschwert und verteuert. Hinzu kommen Logistik, Versorgung und Löhne für wahrscheinlich zehntausende Bauarbeiter.
Weitere Fakten
Von dem Punkt, an dem diese Brücke stehen müsste, wären es in Alaska (USA) hunderte Meilen bis zur nächsten Stadt oder Bahnstrecke und auf russischer Seite weit über 2000 km durch komplett unerschlossenes
Gebiet ohne Strassen, Eisenbahn oder Siedlungen. Selbst dann wäre die nächsten Städte ihrerseits noch hunderte bis tausende Meilen von wirtschaftsrelevanten Orten entfernt. Also selbst, wenn so eine
Brücke technisch womöglich machbar sein könnte, würde sie kaum mehr als ein Prestigeprojekt sein, das wirtschaftlich wenig Sinn machen würde. Anchorage (Alaska) liegt über 5.800 km von Wladiwostok entfernt
(Luft- bzw. Seeweg). Eine Landverbindung über die Beringstraîe würde wahrscheinlich um die 10.000 km benötigen. Rechnet man nun das Ladevolumen eines Containerschiffs in einzelne LKWs um, kämen wir leicht
auf 2.500 LKW oder 1.200 Eisenbahnwaggons. Schiff und Güterzug wären knapp eine Woche unterwegs, ein LKw etwa 11 Tage. An Treibstoff bräuchte ein Schiff je Container ca. 150 liter Diesel, ein Eisenbahnzug
rund 400 liter und ein LKW über 2.500 liter (wegen der _bersichtlichkeit leicht nach unten gerundet, in der Realität also höher). Welchen Sinn also soll so eine Brücke machen, wenn man auch Schienen und
Strassen (führen tausende Meilen durch NICHTS!) erst bauen müsste?
Hinweis: Illustrationen sind mit Hilfe von KI Modellen erstellt und zeigen keine realen Szenen