Der übliche Blick auf die aktuellen globalen Konflikte, führt oft dazu, jedes Krisen-Gebiet isoliert zu betrachten. Dabei sind die Kriege unserer Zeit längst mehr oder weniger miteinander verknüpft und bei näherer Betrachtung durchaus als Teile einer viel grösseren geopolitischen Auseinandersetzung erkennbar. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher, als am Beispiel des Ukraine-Konflikts, der von gängigen Narrativen oft auf ein schwarz-weisses Schema reduziert wird. Betrachtet man jedoch die militärischen, strategischen und globalen Hintergründe etwas genauer, offenbart sich ein ganz anderes Bild – ein verdeckter Systemkonflikt, dessen gesamte Bedeutung weit über Osteuropa hinausreicht.
Was viele auch nicht bedenken, ist, dass die Ukraine zwischen 2014 und 2021 volle 7 Jahre Zeit hatte, mit Unterstützung eine extrem stark befestigte Verteidigung quer durch die sich bereits für unabhängig erklärten Regionen aufzubauen und diese so auszurüsten, dass ein schneller Vorstoss mit grossen Massenangriffen extrem verlustreich gewesen wäre. Wahrscheinlich war das auch das Kalkül gewesen. Das hätte Russland tatsächlich und relativ schnell deutlich schwächen können, es zumindest extrem teuer gemacht.
Der Zermürbungskrieg und die Realität der Front
In diese Falle ist Russland allerdings nicht getappt, sondern setzt einen langwierigen Abnutzungskrieg dagegen, der einmal die starken Befestigungen einzeln und mit viel Material zerstört, wartet, bis die Ukraine in Personalnot gerät und die starken Befestigungen nicht mehr effektiv besetzen und auch nicht mehr versorgen kann. Dann sucht man die sich ergebenden Schwavchstellen heraus, zerstört zuerst Kommandostellen und hat dann mit dem Rest vergleichsweise leichtes Spiel. Zudem zieht man die Frontlinie extrem lang, so dass die Verteidigung mit zunehmender Personalknappheit zwangsläufig immer dünner wird.
Allerdings verhindern auch die in Massen eingesetzten Drohnen einen schnellen Abschluss, denn mit Drohnen werden grössere Angriffe schnell zu einem erheblichen Risiko. Man muss den Krieg also hybrid führen und darauf abzielen, dass die Weiterführung für den Gegner nicht mehr vertretbar ist. Der Punkt wäre längst eingetreten, wenn es nicht ständig Nachschub aus dem Westen gäbe, der allerdings gerade so ausreicht, nicht gleich aufgeben zu müssen, nicht aber für grössere Aktionen ausreicht. Die Ukraine kann sich den Krieg von Anfang an nicht leisten und kann ihn nur mit Unterstützung verschiedener westlicher Staaten überhaupt weiter aufrech erhalten.
Die Strategien im globalen Machtringen
Für den Westen bedeuten die Ukrainer eine Art „Hilfstruppen“, die den Gegner (Russland) möglichst schwer schädigen und schwächen sollen, während man selbst erstmal kräftig aufrüstet und erst dann eingreift, wenn Russland schwach genug ist, kriegsmüde, wirtschaftlich nicht mehr in der Lage, den Krieg weiter zu finanzieren…

Doch auch Russland hat durchaus Unterstützer, wenn auch nicht ganz so direkt und mehr im Hintergrund agierend und ebenso hybrid, was internationale Beziehungen anbelangt. Man könnte angesichts der direkt und indirekt an konkreten Kampfhandlungen und Angriffen beteiligten Staaten und der parallel mit teilweise gleicher oder ähnlicher Beteiligung zusammenhängenden Konflikten in Nahost und Zentralasien bereits die Beteiligung von insgesamt mindestens 25 Staaten (darunter praktisch alle Atom-Mächte) deutlich erkennen, die bereits 4 von 5 Kontinenten erfassen, durchaus davon sprechen, es mit der ersten und grossteils noch hybriden Phase eines dritten Weltkriegs zu tun zu haben.
Westliche Strategie – Kontrolle durch Schwächung und Aufrüstung
Kalkül im Westen ist es, Russland durch bestehende Konflikte so weit zu schwächen, dass man den Krieg nicht mehr weiterführen kann, so dass Russland (und seine Verbündeten) in Folge auch politisch deutlich geschwächt wären und so die Dominanz des Westens noch eine Weile erhalten bleibt. Vor allem setzt man im Westen währenddessen auf Aufrüstung, um auch militärisch dominant zu bleiben.
Das Gegenmodell-Kalkül – Kosten treiben und unipolare Weltordnung brechen
Kalkül in Russland und seinen nicht-westlichen Verbündeten und Unterstützern ist es, die Kosten für den Westen derart in die Höhe zu treiben, dass eine direkte Konfrontation für den Westen schon wirtschaftlich nicht mehr möglich ist. Für den Fall hat man das Ziel, die Dominanz des Westens (eh nur 12-15% der Weltbevölkerung) endgültig und dauerhaft zu brechen und der bislang unipolaren Weltordnung unter eingebildeter westlicher Führung eine neue und multipolare Weltordnung entgegenzusetzen.
Kann der Westen sich dann keinen umfassenden Krieg mehr leisten, kann das sogar friedlich ablaufen. Besteht man im Westen so oder so auf dem kommenden Krieg, wird dieser sehr wahrscheinlich auch mit Atomwaffen geführt werden. Dummerweise will weder der Westen als eine Art Imperium auf seine globale Führungsrolle verzichten, noch die USA auf ihre Führungsrolle über den Westen und damit führende Macht der Erde, die diesen Anspruch regelmässig offiziell und öffentlich untermauert.
Ausblick – Scheideweg zwischen Erschöpfung und Eskalation
Abschliessend könnte man sagen, wenn eine „Seite“ zuerst pleite ist, hat die andere Seite gewonnen und wird dauerhaft dominieren oder eine neue Weltordnung einläuten. Gehen beide nicht pleite, könnte es sich zu einem konkreten und direkten Konflikt entwickeln, der dann wohl auch atomar ausgetragen werden könnte.
Hinweis:
Illustrationen sind mit Hilfe von KI entstanden, auch für Strukturierung und und Recherche wird KI verwendet.