Die vergangenen Wochen waren von einem beispiellosen Hickhack um die unter Verwaltung von Dänemark stehende Insel Grönland geprägt, aus dem man unschwer erkennen konnte, dass diese Region eine grosse strategische Bedeutung haben muss. Die Nachrichten der so genannten Leitmedien vermittelten zumeist eine angebliche militärische Bedrohung, auf die man reagieren müsse, doch das ist nur ein Teil der tatsächlichen Bedeutung und wohl bei weitem nicht einmal der bedeutendste Faktor. Hier lohnt es sich sehr, die Situation und vor allem die Geographie näher zu beleuchten, denn das zeigt, dass es vor allem um eine wichtige neue Handelsroute gehen dürfte, die den Seeweg zwischen Ostasien und West-Europa um etwa die Hälfte verkürzt und immense Kosten und Zeit spart.

Vor allem aber die USA und die NATO sind an Grönland sehr interessiert, weil man dann neben dem einen Ein-/Ausgang der Nördlichen Seeroute (NSR) nahe Alaska auch den anderen Ein-/Ausgang kontrollieren und bei Bedarf sperren könnte. Hier geht es nämlich nicht um militärische Bedrohung, sondern um Kontrolle wichtiger See- und Handelswege und hier gewinnt gerade die NSR rapide an Bedeutung, die vor allem von Russland (Die Route führt entlang Russland’s Nordgrenze, der weltweit längsten Seegrenze) und China (um 50% kürzerer Seeweg Exporte und Importe von und nach Europa) genutzt werden würde. Hier hiessen 50% Zeitersparnis auch 50% Kostenersparnis und ebenso 50% Treibstoffersparnis.
Ganz nebenbei verfügt Grönland über Bodenschätze und wäre eine gute Ausgangsbasis zur Erschliessung der Arktis. Vor allem sieht man das auch militärisch, denn das ist einer der Hauptpunkte der von US Präsident Trump bereits offen geäusserter Absichten der USA. In der Arktis werden zudem weitere Bodenschätze vermutet. Das sind allerdings Tatsachen, die in den gewöhnlichen Nachrichten nicht oder nur am Rande vorkommen.
Selbstverständlich braucht Russland auch Militär, um die NSR und deren Aus- und Eingänge entsprechend schützen zu können. Militär ist nämlich nicht der Hauptzweck, sondern schützendes Element der Handelswege. Das ist im Grunde auch völlig logisch, denn niemand setzt Militär nur ein, um Militär einzusetzen, sondern man denkt sich auch etwas dabei, das entweder defensiv (zur Verteidigung/Schutz) geschehen könnte, oder offensiv als Vorbereitung für Angriffe.
Schaut man sich die weltweiten Handelswege und vor allem Seefahrt-Routen an, kontrollieren derzeit die USA, NATO und Verbündete mit ihren Kriegsflotten nahezu alle internationalen Schiffahrtsrouten und können damit theoretisch auch die Versorgung ganzer Kontinente erheblich beeinflussen, blockieren bis sperren, Handelsschiffe in internationalen Gewässern kapern oder versenken. Das würde man sehr gern auch im Schwarzen Meer können und nun auch in der Arktis. Käme man dort hin, könnte man quasi die Versorgung der gesamten Welt kontrollieren und indirekt beherrschen. So kann der so genannte Westen mit nur rund 12-15% der Weltbevölkerung den ganzen Rest quasi in eine Art Geiselhaft nehmen (85-87% aller Menschen des Planeten, also die weit überwiegende Mehrheit) und ausplündern oder am ausgestreckten Arm verhungern lassen bzw. dazu bringen, so zu handeln, wie man es im Westen gern hätte. Das ist auch leider alles andere als eine Verschwörungstheorie oder Hypothese, sondern seit Jahrhunderten gelebte Praxis, aus der Organisation gemeinsamer Macht heraus kleinere und schwächere Staaten kolonial auszuplündern.

Interessant ist auch, dass die westlichen Kriegsflotten praktisch alle Seerouten weltweit kontrollieren, bis auf die NSR, das schwarze Meer und das Kaspische Meer. Höchste Zeit, sich einmal mit der strategischen Bedeutung der Handelswege zu beschäftigen, auch der Landwege etwa der Belt and Road Initiative (BRI) von China quer durch Eurasien (Neue Seidenstrasse) und den Abzweig von Russland über den Iran Richtung Afrika. Saudi Arabien und Ägypten als BRICS Mitglieder treffen am Roten Meer am Golf von Akaba zusammen und könnten hier einen Landweg zwischen Eurasien und Afrika schaffen. Auch dies sind Handelswege, die man im Westen nicht gern sieht und gern unter Kontrolle hätte.
Wer die Nachrichten verfolgt, weiss, dass man im Westen weder das Staatenbündnis der BRICS gern sieht und auch nicht die Landwege wie die BRI. Man muss nur die Regionen anschauen, in denen es mehr oder weniger regelmässig Unruhen gibt, die solchen Projekten durchaus schaden oder man versucht, Regierungen unter Kontrolle zu bekommen, die dies oder jenes dann anders entscheiden oder auf Eis legen sollen. Besonders die Regionen um den Kaukasus, Zentralasien oder das Schwarze Meer sind Durchgangsregionen dieser Handelswege (siehe Karten), aber auch der Iran und Irak gaben hier grosse Bedeutung. Hier laufen die Handelsrouten zusammen und können Pipelines über Wohlstand ganzer Regionen entscheiden, aber auch über Gewinne oder Verluste äusserer Akteure, deren Profite eher an den traditionellen Seerouten festgemacht sind.
All dies sollte man bei einer objektiven Einschätzung der möglichen Bedeutung regionaler Ereignisse mit berücksichtigen und nicht nur die wenigen mageren Punkte, welche die üblichen Medien verbreiten. Weltpolitik, Geopolitik und globale Handelsbeziehungen und Routen sind ein sehr komplexes Thema und zudem äusserst interessant, wenn man in der Lage ist, Zusammenhänge zu erkennen.
Hinweis: Das Kartenmaterial wurde mit KI erstellt, kann also kleinere Fehler enthalten. Das vermittelte Gesamtbild ist jedoch weitestgehend korrekt zur Veranschaulichung des Beitrags. Die strittigen Gebiete des Ukraine-Konflikts sind in gesonderter Farbe dargestellt.