Risiko Internetforum und Web 2.0

Web 2.0 Plattformen wie Social Media Portale, Communities und Internetforen werden immer beliebter. Findet man hier schliesslich eine Vielzahl von Gleichgesinnten, sozialer Kontakte, Bekannte oder gar neue Freunde, die unser Leben und vor allem unsere virtuelle Freizeit bereichern und unsere Welt um eine virtuelle Komponente erweitern. Hier können wir unsere Meinung sagen, diskutieren, unser Herz ausschütten, unsere Freude mit anderen Usern teilen oder unserem Ärger Luft machen. Ärgerlich wird es, wenn nicht wir selbst es sind, die wir uns unserem Ärger Luft machen, sondern andere User uns dazu auserkoren haben, Ziel ihrer Erleichterung zu sein. Besonders ärgerlich wird es jedoch, wenn derjenige oder diejenigen, welche sich selbst Luft machen, im Schutz ihrer eigenen Anonymität bleiben und nicht greifbar sind.

In einer gut geführten und gut moderierten Community oder Forum sollte dies kein wirkliches Problem darstellen, denn verantwortungsvolle Moderatoren haben schliesslich die Aufgabe, dort für Ordnung zu sorgen und zu verhindern, dass User durch andere User belästigt oder beeinträchtigt werden. Der Betreiber einer Community oder eines Forums ist rechtlich sogar verantwortlich dafür, Missbrauch zu unterbinden und seine User vor Beeinträchtigungen oder gar Angriffen zu schützen. Trotzdem greift es leider immer mehr um sich, dass Menschen, die in Communities Kontakte oder gar Freunde suchen, am Ende Feinde finden und sogar spürbaren Schaden erleiden, der sich auch auf das reale Leben auswirken kann.

Welche Gefahren bestehen

Vor allem kann die eigene Reputation, der eigene Ruf durch gezielt und absichtlich gestreute Gerüchte oder gar Lügen stärker in Mitleidenschaft gezogen werden, als es den Menschen allgemein bewusst ist. Alles, was in öffentlich sichtbaren Communities oder Foren geschrieben wird, kann weltweit von jedem Menschen gelesen werden. Es kann der eigene Nachbar sein, der eigene Chef, der Lehrer der Kinder, die Freunde der Kinder, der Briefträger, Zeitungshändler, Friseur, Arbeitsvermittler, Personalchef aber auch frühere Freundschaften oder Partner, die uns aus diesem oder jenem Grund nicht oder nicht mehr wohlgesonnen ist.

Alle Menschen können alles lesen, aber nicht nur das, was wir selbst über uns und unser Leben ins Netz stellen, sondern auch das, was Dritte über uns schreiben und verbreiten, was Andere auf unsere Beiträge antworten und Fremde über uns behaupten. Alles kann von jedem gelesen werden, unabhängig davon, ob es wahr ist oder nicht. Personalchefs googeln heutzutage nach Bewerbern, Interessenten nach möglichen Partnern, Vermieter nach Wohnungsbewerbern. Eine negative Reputation im Internet kann heutzutage also schnell Chancen und Möglichkeiten auch im Realen Leben beeinflussen und sich auch finanziell auswirken.

Cyberkriminelle verwenden mitunter gern Daten Dritter, um in deren Namen Straftaten zu begehen. Dies nennt sich Identitätsdiebstahl und bringt für Betroffene grossen Ärger mit sich, bis hin zu Strafverfahren.

Wer ist gefährdet

Jede Person, die im Internet namentlich genannt und identifizierbar ist, kann von jeder anderen Person, die nach dem Namen sucht, gefunden werden. Während sich Privatpersonen noch durch Anonymisierung weitgehend schützen können, sind vor allem Geschäftsleute und Gewerbetreibende gefährdet, die durch Gesetz dazu verpflichtet sind, ihr Internetangebot mit einem Impressum zu versehen. Namentlich genannt werden kann eine Person nicht nur durch eigene Aktivität, sondern auch gezielt durch Dritte. So kann es praktisch jeden treffen, auch wenn er selbst sich im Internet gar nicht präsentiert, vielleicht nicht einmal über einen Internetanschluss verfügt.

Gefährdet ist aber auch, wer zwar auftritt, ohne den eigenen Namen zu nennen, aber so viele persönliche Einzelheiten von sich veröffentlicht, dass Rückschlüsse möglich sind. Hierbei ist es wesentlich leichter, Identitäten aufzudecken, als man weitläufig vermutet. Mitunter genügt schon eine Mailadresse, die in verschiedenem Zusammenhang verwendet wurde, um deren Inhaber zu identifizieren.

Wie kann man sich schützen und vorbeugen

  • Sind Sie privat im Internet, bewegen Sie sich anonym, verwenden Sie Nicknames, die keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulassen.
  • Geben Sie Ihre Kontaktdaten nur an, wenn Sie sich gewerblich im Internet bewegen und Ihr Angebot bewerben wollen.
  • Nutzen Sie ggf. angebotene Einstellungen zur Privatsphäre und achten Sie darauf, dass diese Einstellungen nicht vom Betreiber hinter Ihrem Rücken wieder geändert werden. Kontrollieren Sie Ihre Einstellungen gelegentlich.
  • Verwenden Sie für Foren und Communities eine Zweit-Mailadresse, die keine Rückschlüsse auf Ihre Person zulässt und die Sie auch niemals in Zusammenhängen verwenden sollten, die Sie als Person mit jener Adresse in Verbindung bringen könnten.
  • Verbreiten Sie keinerlei persönliche Daten wie Wohnort, Adresse, Rufnummer, Arbeitsstelle oder Fotos von sich, Ihrer Familie, Ihrem Auto (Nummernschild) oder Wohnort in Bereichen, die öffentlich zugänglich sind.
  • Achten Sie dort, wo Sie persönliche Daten einstellen, darauf, dass diese Bereiche nicht öffentlich zugänglich sind, sondern nur von Personen, die Sie persönlich kennen, besucht werden können.
  • Seien Sie vorsichtig mit dem Begriff “Freundschaft”, denn im Internet hat dieser Begriff bei weitem nicht die Bedeutung wie im realen Leben und bedeutet keinesfalls eine Garantie, einem “Freund” auch zu 100% vertrauen zu können.
  • Schauen Sie sich die Community oder das Forum genau an, in dem Sie sich zu bewegen gedenken. Bevor Sie sich als User registrieren, lesen Sie anonym eine Weile mit und achten Sie darauf, wie man dort mit Usern umgeht
  • Nicht die Masse der Beiträge ist wichtig, sondern deren Qualität.
  • Ein Forum sollte aktiv, verantwortungsvoll und unparteiisch geführt und auch moderiert werden.
  • Achten Sie auf das Impressum eines Forums. Falls notfalls rechtliche Schritte nötig werden, sind die gegen ein anonym im Ausland betriebenes Forum mit unbekanntem Betreiber nicht möglich.
  • Werden Sie grundlos angegriffen, melden Sie dies sofort dem Moderator oder Betreiber. Schreitet dieser daraufhin nicht ein oder ergreift sogar Partei gegen Sie, verlassen Sie das Forum sofort und suchen sich eine andere Plattform. Versuchen Sie, sich zu verteidigen, stehen Sie am Ende womöglich sogar als Störenfried da.
  • Werden Sie von anonymen Personen oder sogar mehreren Anonymen angegriffen, die im gleichen Forum regelmässig User angreifen, sollten Sie dieses Forum künftig meiden. Foren, die anonyme User gewähren lassen, werden nicht selten von Cyberstalkern genutzt, um neue Opfer zu suchen.
  • Meiden Sie Foren, in denen persönliche Daten oder Fotos von Menschen ohne deren ausdrückliche Einwilligung veröffentlicht werden. Dies ist rechtswidrig und zeigt Ihnen die Einstellung des Betreibers zu geltendem Recht.
  • Meiden Sie Foren, in denen Menschen beleidigt, angeprangert, verleumdet, verunglimpft oder denunziert werden. Sie könnten selbst als nächstes in jener Form beeinträchtigt werden.

Vorsicht, wenn Sie mit vollem Namen angesprochen werden und/oder man anfangs noch relativ harmlose, aber falsche Dinge über Sie ständig wiederholt. Mit der Zeit etablieren sich solche Dinge als vermeintliche Wahrheit, die behaupteten Dinge verlieren zusehends an Harmlosigkeit und Ihr Ruf wird nach und nach schleichend und nachhaltig beschädigt oder sogar zerstört. Geschieht derartiges, sind Sie wahrscheinlich ins Fadenkreuz eines oder mehrerer Cyberstalker geraten.

Stellen Sie in einem Forum mehrmals rechtswidrige Aktivitäten, Rufschädigungen, Beleidigungen oder Verunglimpfungen gegen sich selbst, aber auch gegen Dritte fest, verlassen Sie das entsprechende Forum und lassen Ihre Daten dort löschen. Suchen Sie sich eine Plattform, die verantwortungsvoll moderiert und betrieben wird und deren Betreiber bekannt und in Deutschland ansässig ist. Hier haben Sie im Notfall rechtliche Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen.

© 02.2010 Norbert Warnke

[ad]