Warum nur Wenige viel erreichen

Die Werbung verspricht oft sehr viel. Es heisst, jeder könne alles erreichen, muss nur einsteigen, ein paar Partner werben und die Lawine ist nicht mehr aufzuhalten. Das Problem ist allerdings weniger jene Werbung, sondern eher die Leichtgläubigkeit vieler Menschen. Einmal verlassen sich Menschen blind auf solche Aussagen, einfach weil sie sich es gern glauben wollen, so leicht und so einfach in die finanzielle Unabhängigkeit zu kommen und andererseits sind viele Menschen gerade dort oft sehr skeptisch, wo ihnen ehrlich und offen gesagt wird, dass es so leicht nun doch nicht ist. Das führt vor allem zu zwei vermeintlichen Erkenntnissen, die beide jedoch nicht wirklich realistisch sind.

Die erste vermeintliche Erkenntnis ist, dass es tatsächlich so einfach wie versprochen sein muss, denn es klingt doch nun einmal so schön, leicht reich werden zu können. Zumindest möchte man es mal versuchen, denn was viele sagen, daran muss doch etwas dran sein – meint man. Die zweite vermeintliche Erkenntnis ist, dass diejenigen Geschäfte, die offen und ehrlich vor allem viel Arbeit versprechen, weit negativer angesehen werden, denn viel Arbeit ist es nicht, was man erwartet, nur viel Geld. Viel Geld auch ohne viel Arbeit erreichen zu können, klingt doch viel attraktiver – vor allem, wenn das auch noch scheinbar logisch verpackt angeboten wird.

Die bekannten Milchmädchenrechnungen kennen sicher Viele. Man muss doch nur einmal zwei bis drei Leute werben, die werben dann auch jeder zwei bis drei und die auch wieder und schon in der fünften Ebene verdient man mehr, als man ausgeben kann. Es klingt so einfach, denn man muss doch nur einmal zwei bis drei Leute werben und den Rest machen die doch dann, darum muss man sich doch gar nicht mehr kümmern – meint man.

Die Realität sieht hier jedoch ganz anders aus, denn wenn es tatsächlich so funktionieren würde, wäre längst jeder Mensch auf unserem Planeten Mitglied in mindestens zehn Networks und niemand müsste mehr arbeiten gehen. Man kann es sich leicht selbst ausrechnen, denn wenn wirklich jeder nur drei Teilnehmer wirbt und diese auch jeder nur drei, haben wir schon in der zwanzigsten Ebene über drei Milliarden Teilnehmer im System und der Rest der Menschheit würde nicht für eine weitere Ebene reichen. Das bedeutet jetzt allerdings nicht, dass Network Marketing nicht funktioniert, sondern dass diese Art Milchmädchenrechnung völliger Unsinn ist.

Doch wo liegt das Problem?

Der wichtigste Punkt, von dem wir uns unbedingt verabschieden müssen, ist der, dass wir „einfach nur“ irgendwelche Menschen ins System bringen müssen, die es dann schon richten werden. Wichtig ist nicht, irgendwen zu werben, sondern unsere eigentliche Aufgabe, von der viele jedoch nicht reden mögen, weil sie befürchten, dann würden viele gar nicht einsteigen. Die eigentliche Aufgabe eines Networkers ist, den Produktabsatz zu fördern, also dafür zu sorgen, dass Waren umgesetzt werden – je mehr, desto besser.

Produktabsatz kann auf verschiedenen Wegen gefördert werden. Der bekannteste und naheliegendste Weg ist der Verkauf an eigene Kunden. Genau das wollen viele Interessenten allerdings nicht und suchen deshalb händeringend nach Wegen und Möglichkeiten, selbst nichts verkaufen zu müssen. Man kann es jedoch drehen und wenden wie man will, man muss dennoch immer etwas „verkaufen“, denn auch, wenn ich einem Interessenten die Vorteile eines System schmackhaft mache, „verkaufe“ ich ihm damit das System. Der Unterschied ist nur, dass ich vom Interessenten kein Geld erhalte und ihm auch nicht das System als berührbares Ding selbst in die Hand drücke – dennoch bleibt es ein Verkauf. Nur ist ein Verkauf ohne konkrete berührbare und vorzeigbare Ware meist noch deutlich schwieriger und aufwändiger, als wenn ich ihm konkret etwas in die Hand geben kann, was ihm entweder gefällt oder nicht.

Viele versuchen auch, das Pferd von hinten aufzuzäumen, indem sie zuerst das Geschäft vorstellen und wenn das kein Interesse findet, das Produkt nachschieben, so dass dann wenigstens noch ein Kunde dabei herauskommen kann. Hier wird wohl irrtümlich davon ausgegangen, dass ein Partner wertvoller wäre als ein Kunde. Es klingt ja auch logisch, dass ein Partner viele Kunden werben könnte und weitere Partner, die wieder viele Kunden werben könnten und insgesamt verdient man daran ja mehr, als an einem popeligen Kunden –  meint man. Dabei wirbt man dann einen Partner nach dem anderen, die auch wieder Partner werben und hat dann nicht selten eine Struktur mit hunderten Partnern, von denen aber nur sehr wenige darauf kommen, Produkte abzusetzen, weil man sich ausschliesslich mit der Werbung von Partnern beschäftigt.

Im Ergebnis kann das dann so aussehen, dass auf hundert Partner nur 20 Kunden kommen und niemand wirklich nennenswert an solch einer Konstellation verdienen kann, weil das Wichtigste daran nämlich fehlt; der Produktumsatz. Provision gibt es ja nur auf verkaufte Waren und nicht auf die Anzahl der Partner. Am Ende kommt dann allerdings etwas heraus, das in völligem Gegensatz zu dem steht, was viele erwartet hatten (viel Geld ohne arbeiten zu müssen), nämlich sehr sehr viel Arbeit, einiges an Kosten und sehr wenig Geld, das dann am Ende noch übrig bleibt. Einen Stundenlohn sollte man sich dabei besser nicht ausrechnen.

Wenn es so nicht funktioniert, wie dann?

Unsere Aufgabe ist der Produktabsatz und verkaufen müssen wir so oder so. Das ist Fakt und daran führt kein Weg vorbei. Auch die reine Vermittlung von Produkten ist Verkauf wie immer, wenn wir an einem durch uns geförderten Warenumsatz verdienen. Der Möbelverkäufer nimmt auch kein Geld an und drückt dem Kunden auch nicht im Laden die Eckcouch in die Hand, er ist aber dennoch Verkäufer, weil er den Kaufvertrag zum Abschluss bringt und daran verdient.

Das trifft auch auf Networker zu, egal ob sie direkt Waren gegen Geld weitergeben, nur vermitteln oder auch nur Geschäftsideen „verkaufen“, um daran zu verdienen. Der Networker sorgt für den Abschluss und verdient daran, so bald Waren umgesetzt werden. Dreh- und Angelpunkt eines Vertriebs ist also immer die Ware und die sollte auch immer die Hauptrolle spielen. Selbst wenn wir einen Partner werben, muss der doch wissen, was er vertreibt.

Es ist wichtig, als Networker die eigenen Produkte zu kennen; es ist auch wichtig, diese Produkte auch selbst verkaufen zu können. Aus einem von den Produkten begeisterten Kunden ist schon so mancher gute Verkäufer oder Partner geworden. Hier steht die eigene Überzeugung im Vordergrund und damit auch die eigene Glaubwürdigkeit.

Kann ein Partner, der sich vielleicht für die Produkte gar nicht interessiert, sie möglicherweise nicht einmal kennt, geschweige denn, eigene Erfahrungen damit zu haben, aber ein glaubwürdiger Verkäufer werden? Selbst wenn er doch „nur“ das System „verkauft“, wie soll er denn effektiv eigene Partner betreuen und schulen können, wenn er selbst doch nichts oder nur sehr wenig darüber weiss?

Eine funktionierende Vertriebsorganisation braucht also Produktumsätze und Menschen, die wissen, wie man Produkte umsetzt. Was definitiv nicht gebraucht wird, sind Menschen, die sich einfach mal so einschreiben, nichts tun, aber dennoch schnell reich werden wollen. Reich werden wollen bringt keinen Warenumsatz.

Das führt uns zu einem ebenfalls sehr verbreiteten und dennoch leider kaum beachteten Problem, nämlich die kaufmännische Vor- bzw. Ausbildung der Networker, die ja schliesslich als selbständige Unternehmer auftreten.

Business bedeutet Geschäft. Wer ein Geschäft (Unternehmen) ernsthaft betreiben möchte, muss die Voraussetzungen und Gegebenheiten kennen, wissen, was er darf und was nicht und muss in der Lage sein, ein gewerbliches Unternehmen überhaupt zu führen. Dazu würden gehören die für Deutschland gültigen rechtlichen Gegebenheiten und Grundwissen in kaufmännischen und allgemein gewerblichen Dingen, Verbraucherrecht, Handelsrecht, Grundzüge kaufmännischer und vereinfachter Buchführung und einiges mehr. Den meisten Networkern mangelt es leider an kaufmännischer Vorbildung. Auch deshalb schaffen es leider zu wenige Networker, tatsächlich ein dauerhaft funktionierendes Geschäft aufzubauen und zu führen, weil sie einfach nicht über das das erforderliche Grundwissen verfügen wie beispielsweise:

  • wie man Einnahmen und Ausgaben bucht, 
  • Kosten und Nutzen beurteilt und kalkuliert, 
  • was in seinem Marktsegment erlaubt oder verboten ist,
  • was bei Vertrieb und Bewerbung welcher Produkte zu beachten ist,
  • wie auf Verbraucherrechte zu reagieren ist,
  • und einiges mehr…

Nun, Viele glauben, nichts oder nur wenig wissen zu müssen und geben das dann genau so an Andere weiter, die das dann ihrerseits weiter verbreiten. Falsche Dinge verbreiten und duplizieren sich immer besser und schneller als richtige – und genau deshalb haben zu viele Menschen in der Network Marketing Branche auch leider wenig Erfolg.

Wenn Sie sich nicht für die Produkte Ihres möglichen Partnerunternehmens interessieren, sich nicht mit dem Geschäftskonzept und der Unternehmensphilosophie beschäftigen möchten und kein Interesse daran haben, sich selbständig und aktiv in Ihrem Geschäft zu engagieren, dann schreiben Sie sich bitte nicht bei einem Network ein, denn es wird Ihnen mit Sicherheit niemand etwas schenken.

Wenn Sie sich nicht für die Produkte Ihres möglichen Partnerunternehmens interessieren, sich nicht mit dem Geschäftskonzept und der Unternehmensphilosophie beschäftigen möchten und kein Interesse daran haben, sich selbständig und aktiv in Ihrem Geschäft zu engagieren, dann schreiben Sie sich bitte nicht bei einem Network ein, denn es wird Ihnen mit Sicherheit niemand etwas schenken oder viel Geld von allein den Weg zu Ihnen finden.

Ein dauerhaft erfolgreiches Geschäft können Sie nur aufbauen, wenn Sie sich für Ihr Geschäft interessieren, alles Nötige darüber lernen, sich aktiv in Ihrem Geschäft engagieren, alles wichtige über die nötigen Voraussetzungen wissen und über ein paar kaufmännische Grundkenntnisseverfügen, oder sich diese möglichst zeitnah anzueignen bereit sind.

© 07.2009 by Norbert Warnke – Network Marketing Portal

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Ein Gedanke zu „Warum nur Wenige viel erreichen

  1. Harry

    Ein sehr guter Artikel,der genau das Thema beschreibt, das viele nicht sehen wollen und auf der anderen Seite ungern angesprochen wird: Im MLM geht es primär um den Umsatz bzw. Verkauf. Punkt. Basta. Wer nicht wahrhaben will, dass es als Networker die Aufgabe ist, die Produkte seiner Firma an den Mann zu bringen, und sich lieber hinter Begriffen wie „Empfehlungsmarketing“ oder „My Story Marketing“ versteckt, der sollte ernsthaft überlegen, ob er sich nicht mit anderen Möglichkeiten des Geldverdienens beschäftigt. Aber selbst da geht es letzlich um den Verkauf bzw. Vertrieb von Produkten oder Dienstleistungen
    Harry

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